Welcher Brief ist an dich geschrieben?

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Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hört und die Tür öffnet, so werde ich zu ihm hineingehen und das Mahl mit ihm essen und er mit mir.

— Offenbarung 3,20 (Schlachter 2000)

Den ganzen Text lesen: Offenbarung 2 · 3

Sieben Gemeinden, sieben ganz unterschiedliche Situationen, und Jesus schickt nie zweimal denselben Brief. Ephesus musste hören, dass richtige Lehre ohne Liebe wertlos ist. Smyrna und Philadelphia, arm und von allen Seiten bedrängt, brauchten nichts als Ermutigung. Sardes sah lebendig aus und war schon tot. Laodizea war die einzige Gemeinde, die kein Lob erhielt — und die, bei der Jesus trotzdem noch anklopft.

Die unbequeme Übung besteht nicht darin, deine Lieblingsgemeinde herauszupicken. Sie besteht darin, zu bemerken, welchen Brief du diese Woche tatsächlich bekommen würdest, wenn Jesus dir persönlich schriebe — nicht den, den du dir wünschen würdest.

Achte darauf, wie jeder Brief beginnt. Nicht mit dem, was die Gemeinde über sich selbst sagt, und nicht mit ihren Zahlen, sondern mit „Ich kenne“ — ich kenne deine Werke, deine Bedrängnis, deine Armut, deinen Ruf. Diese Briefe sind von außen geschrieben, von jemandem, der zugesehen hat. Laodizea hielt sich für reich. Sardes galt als lebendig. Smyrna, das sich arm fühlte, bekommt gesagt, dass es reich ist. In jedem Fall sind die Darstellung der Gemeinde von sich selbst und die Darstellung, die Jesus von ihr gibt, zwei verschiedene Dokumente.

Deshalb ist Raten hier die falsche Methode. Lies die sieben Briefe einmal am Stück und markiere den Satz, der wehtut, nicht den, der dir schmeichelt. Und wenn du dich traust, frag jemanden, der dich gut kennt, welcher der sieben am meisten nach dir klingt. Die Antwort kommt meist schneller, als dir lieb ist.

Sardes ist der schwierigste Fall, weil sich dort nichts falsch anfühlt. Keine Irrlehre, keine Verfolgung, kein Skandal — nur ein Ruf, der die Sache überlebt hat, auf der er einmal beruhte. Und die Anweisung ist klein und unscheinbar: Wach auf, stärke, was noch übrig ist, erinnere dich daran, was du am Anfang empfangen hast, halte daran fest. Kein neues Programm. Die Rückkehr zu etwas, das schon da war.

Welcher Brief dich auch trifft, das Ende ist in allen sieben dasselbe: eine Verheißung für den, „der überwindet“ — was in diesem Buch nie heißt, zu gewinnen, sondern nur, treu zu bleiben. Laodizea bekam überhaupt kein Lob und trotzdem ein Klopfen an der Tür. Wenn du still für dich beschlossen hast, dass dich niemand mehr haben will, dann ist diese Tür der Teil des Kapitels, den du am dringendsten glauben musst.

Fragen zum Nachdenken

  • Wenn Jesus deiner Gemeinde — oder dir persönlich — diese Woche einen Brief schriebe, welchem der sieben würde er am ehesten ähneln, und was wäre die eine Sache, die er dich bitten würde, anders zu machen?
  • Wo unterscheidet sich deine eigene Einschätzung, wie es dir geht, von dem, was jemand schreiben würde, der genau hinschaut?
  • Laodizea bekam kein Lob und trotzdem ein Klopfen an der Tür. Wo musst du glauben, dass das auch für dich gilt, statt anzunehmen, du seist schon zu weit weg, um noch gewollt zu sein?

Gebet

Herr Jesus, du kennst meine Lage besser als ich. Sag mir den Brief, den ich brauche, nicht den, den ich lieber hätte, und gib mir den Mut, zu ändern, was du von mir willst. Danke, dass du immer noch anklopfst, auch bei mir. Amen.