Voller biblischer Querverweise
Ein Schlüssel zum Verständnis der Offenbarung besteht darin, sie mit der Bibel selbst auszulegen, denn das Buch ist durchtränkt von Bezügen auf die übrige Schrift. Aber stimmt das wirklich, und hätten die ursprünglichen Leser das überhaupt bemerkt?
Komprimierte Referenzen
Wie wir im Verlauf dieser Studie immer wieder sehen werden, steckt hinter dem Text der Offenbarung eine enorme Menge an biblischem Material, das nur selten einfach zitiert wird. Meist wird es kombiniert, umgekehrt oder in einen völlig neuen Zusammenhang gestellt.
Das wirft eine berechtigte Frage auf: Konnten die ersten Leser Informationen, die derart dicht verpackt waren, überhaupt verstehen?
Die ersten Leser
Die ersten Leser waren dazu tatsächlich gut gerüstet, und zwar aus mehreren Gründen.
- Die Gemeinden Kleinasiens, wo die ersten Leser der Offenbarung lebten, bestanden sowohl aus jüdischen Gläubigen als auch aus Heiden, die in engem, fortlaufendem Kontakt mit den Synagogen standen — ein Muster, das sich durch die gesamte Apostelgeschichte zieht.
- Besonders die Gemeinden in Smyrna und Philadelphia standen in engem Kontakt mit Synagogen, die ein tiefes Verständnis des Alten Testaments voraussetzten. Dieselbe Voraussetzung zeigt sich auch dort, wo viele Juden Christen werden — eine Wende, die voraussetzt, dass Gläubige nachweisen konnten, dass Jesus die Prophezeiungen des Alten Testaments erfüllt.
- Der Hinweis auf falsche Propheten unter dem alttestamentlichen Beinamen Isebel zeigt, dass diese Gemeinden bereits so vertraut mit dem Material des Alten und Neuen Testaments waren, dass es von falschen Lehrern überhaupt erst verdreht werden konnte.
- Es wäre in der Tat seltsam, wenn Johannes seine Briefe an diese Gemeinden mit alttestamentlichen Bezügen — Manna, Isebel, Tempel, Neues Jerusalem, Bileam — gefüllt hätte, die die Empfänger schlicht nicht verstanden hätten.
- Johannes verstand sich selbst als Prophet, eine Rolle, die die Gemeinde offensichtlich anerkannte, was bedeutet, dass er wohl auch als Lehrer wirkte, der sie bereits im Alten Testament unterwiesen hatte — was zugleich weiter erklärt, warum falsche, vertraute Lehren in diesen Gemeinden so leicht entlarvt werden konnten.
- Wir wissen zudem aus der Apostelgeschichte und anderen Stellen des Neuen Testaments, dass Juden wie Heiden gleichermaßen aus dem Alten Testament unterrichtet wurden, der Bibel der ersten Christen: in Berea, in Ephesus, bei Timotheus als Lehrer, und in Paulus' Betonung der Bedeutung der ganzen Schrift.