Die Verhärtung des Herzens

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Ist es fair von Gott, das Herz des Pharao zu verhärten, sodass der Pharao keine andere Wahl hat, als grausam zu handeln — und dafür dann trotzdem bestraft wird?

Gott sagt unmissverständlich, dass er das Herz des Pharao verhärten wird, damit der Pharao das Volk nicht ziehen lässt. Doch der hebräische Text ist vielschichtiger, als diese eine deutsche Formulierung vermuten lässt. Im Verlauf der Erzählung werden drei verschiedene hebräische Wörter verwendet, um diese Verhärtung zu beschreiben:

  • chazaq, was verhärten oder stärken bedeutet
  • qashah, was hart, streng oder heftig bedeutet
  • kabad, was schwer, gewichtig oder lastend bedeutet

Die Erzählung gebraucht diese Wörter in einer klaren Reihenfolge:

  • Gott kündigt es an, bevor irgendetwas geschieht (4,21; 7,3).
  • Das Herz des Pharao „war hart“, ohne dass ein Verursacher genannt wird (7,13.14.22; 8,15; 9,7.35).
  • Der Pharao verhärtet sein eigenes Herz (8,11.28; 9,34).
  • Gott verhärtet das Herz des Pharao — aber erst ab der sechsten Plage (9,12; 10,1.20.27; 11,10; 14,4.8.17).

Diese Reihenfolge ist der Schlüssel zu dieser Passage. Die Härte des Pharao kommt zuerst und ist seine eigene. Gottes Verhärten kommt später, als Gericht, das die Entscheidung bestätigt, die der Pharao längst und immer wieder getroffen hat.1 Israels Nachbarn lasen die Geschichte später genauso: „Warum verhärtet ihr euer Herz, wie die Ägypter und der Pharao ihr Herz verhärteten?“ (1 Sam 6,6). Gott zwingt keinen Unwilligen zum Bösen. Er überlässt einen Starrsinnigen dem Starrsinn, den er gewählt hat.

Am deutlichsten wird die eigene Verantwortung des Pharao während der verheerenden Hagelplage, wo er zunächst zugab, gesündigt zu haben — und dann, sobald der Hagel aufhörte, erneut sündigte und sein eigenes Herz verhärtete.

In der Offenbarung

Die Plagen kehren in den Posaunen und den Schalen wieder, und mit ihnen die verhärtete Reaktion: „Sie taten nicht Buße“ (9,20–21); „sie lästerten Gott … und taten nicht Buße“ (16,9.11). Menschen werden wie das, was sie anbeten. Wer sich an Götzen klammert, die weder sehen noch hören können, kann am Ende selbst weder sehen noch hören.2

Die Botschaft an den Leser ist also klar: Sei nicht wie der Pharao. Du weißt, wie das ausgeht. Anders als der Pharao hast du das andere Ufer des Meeres schon gesehen, wo die Erlösten das Lied des Mose und des Lammes singen (15,2–4). Die Zeit zur Umkehr ist jetzt, solange es „heute“ heißt — „verstockt eure Herzen nicht“ (Hebr 3,7–8.15).


  1. TDOT, Bd. 7, S. 428; Bd. 4, S. 308. Beale legt mehr Gewicht auf Gottes Seite: Gott hat die Verhärtung von Anfang an bewirkt, so wie Paulus die Geschichte in Römer 9,17–18 liest (S. 466). ↩︎

  2. Beale, S. 519, mit Jesaja 6,9–10. ↩︎

Quellen