Die Verhärtung des Herzens
Ist es fair von Gott, das Herz des Pharao zu verhärten, sodass der Pharao keine andere Wahl hat, als grausam zu handeln — und dafür dann trotzdem bestraft wird?
Gott sagt unmissverständlich, dass er das Herz des Pharao verhärten wird, damit der Pharao das Volk nicht ziehen lässt. Doch der hebräische Text ist vielschichtiger, als diese eine deutsche Formulierung vermuten lässt. Im Verlauf der Erzählung werden drei verschiedene hebräische Wörter verwendet, um diese Verhärtung zu beschreiben:
- chazaq, was verhärten oder stärken bedeutet
- qashah, was hart, streng oder heftig bedeutet
- kabad, was schwer, gewichtig oder lastend bedeutet
Folgt man den Links, zeigt sich, dass jedes Wort ein breites Spektrum möglicher Übersetzungen abdeckt. Alle drei Verben werden für Gottes Verhärtung des Herzens des Pharao verwendet, aber ebenso häufig auch dafür, dass der Pharao sein eigenes Herz verhärtet.
Genau diese Überschneidung ist der Schlüssel zu dieser Passage. Geht man die Beispiele durch, zeigt sich folgendes Muster: Gott verhärtete das Herz des Pharao nicht, um ihn gegen seinen Willen zum Bösen zu zwingen, sondern damit der Pharao nicht in dem Moment einfach aufgab, in dem er Gott am Werk sah — damit er die Kraft hatte, weiter Widerstand zu leisten, was er, wie sich zeigt, immer wieder aus eigenem Antrieb tat.
Am deutlichsten wird die eigene Verantwortung des Pharao während der verheerenden Hagelplage, wo er zunächst zugab, gesündigt zu haben — und dann, sobald der Hagel aufhörte, erneut sündigte und sein eigenes Herz verhärtete.