Die Tiere in der Offenbarung
Der Teufel und all seine Helfer nehmen in der Offenbarung ziemlich viel Raum ein, und auch diese Artikelreihe hat ihm schon einige Artikel gewidmet. Warum eigentlich? Sollte die Mühe nicht besser in die Beschreibung Gottes fließen? Es gibt einen guten Grund dafür.
Gut vorher zu lesen
Der Charakter des Teufels
Der Teufel wird als aggressiv beschrieben, was für Gläubige schwer auszuhalten ist — aber immerhin weiß man dann, womit man es zu tun hat. Er ist aber auch ein Verführer, und das ist noch gefährlicher: Man kann des Kampfes müde werden und meinen, es gäbe einen einfachen Ausweg — und landet am Ende in der Gefolgschaft des Teufels, ohne es je ganz zu merken. Deshalb stellt das Buch Gott und Satan nebeneinander, damit man sowohl die Unterschiede als auch die trügerischen Ähnlichkeiten erkennt.
Die Beschreibung des Teufels
Der Teufel tritt immer in Gestalt einer Dreifaltigkeit auf, denn auch Gott selbst ist dreieinig.
Das erste Mal geschieht das gleich nach der Inthronisation Christi, als er allein für würdig befunden wird, die Schriftrolle zu öffnen — und der Teufel tritt als vier apokalyptische Reiter auf, wobei der vierte die anderen drei zusammenfasst. Sein Auftreten wird hier in gerade einmal acht Versen beschrieben, ein scharfer Kontrast zu den zwei vollen Kapiteln ewiger Anbetung Gottes, die vorausgehen.
Der erste Reiter erscheint als der große Sieger, aber nur wenige Verse später hinterlässt er eine Szene völliger Zerstörung: Der Teufel kann seine Versprechen nicht einlösen.
Das zweite Mal tritt er auf, als Jesus erneut als Sieger erklärt wird, geboren von der Frau. Hier wird Satan als der endgültige Verlierer dargestellt:
- Er versucht, das Kind zu vernichten — und scheitert.
- Er kämpft gegen Michael — und wird aus dem Himmel geworfen.
- Er versucht, die Frau zu vernichten — und scheitert.
- Er versucht, die Nachkommen Jesu, die Gemeinde, zu vernichten, und scheitert auch dabei, wie man an der Zahl 666 sehen kann.
Ein drittes Mal wird der Teufel gezeigt, als Dreifaltigkeit bei der sechsten Schale, die dann in den Kapiteln 19 und 20 gerichtet wird. Diese Passagen rahmen die Geschichte der Hure ein, wo das Tier und die Hure gemeinsam auftreten.
Diese drei Blickwinkel hängen zusammen und ergänzen sich gegenseitig zu einem Gesamtbild vom Wirken des Teufels.
Die falsche Dreifaltigkeit
Um besser zu verstehen, wie der Teufel beschrieben wird, müssen wir uns die zweite Geschichte vom Drachen und den beiden Tieren ansehen.
Er errichtet eine böse Dreifaltigkeit, um die Gemeinde zu täuschen, aber ohne Erfolg.
Der Drache und die Tiere arbeiten zusammen, um ihr Ziel zu erreichen, gehen dabei aber unterschiedlich vor: Das erste Tier setzt auf Gewalt, während das zweite auf Zeichen, Wunder und wirtschaftlichen Druck setzt — siehe auch im historischen Kontext.
Betrachten wir nun die vier Reiter, finden wir dasselbe Muster:
- zuerst kommt der Täuscher,
- gefolgt von dem, der Gewalt anwendet und Krieg bringt,
- gefolgt von dem, der wirtschaftliche Ungerechtigkeit bringt.
Der vierte Reiter fasst alle drei zusammen — ein weiteres Beispiel für dasselbe Dreifaltigkeitsmuster.
Schließlich gibt es noch die Geschichte der Hure. Trotz der vielen Akteure in Kapitel 17 ist eine Dreifaltigkeit dort zunächst nicht offensichtlich. Aber zwei Beobachtungen bringen sie ans Licht.
Erstens gibt es eine starke Parallele zwischen dem Tier in Kapitel 17 und dem ersten Tier in Kapitel 13.
| Das erste Tier aus Offenbarung 13 | Das Tier auf Offenbarung 17 |
|---|---|
| Hat 7 Köpfe und 10 Hörner | Hat 7 Köpfe und 10 Hörner |
| Kopf wie geschlachtet, wächst nach | 5 Könige gefallen, der siebente kommt noch (beides verweist auf die geheimnisvolle Kontinuität und Rückkehr des Tieres, vgl. das Tier, das war und nicht ist und wiederkommen wird) |
| Wer kann gegen das Tier kämpfen | Tier macht Krieg gegen König der Könige |
| Gotteslästerliche Reden | Gotteslästerliche Name |
| Kämpft gegen Heilige und besiegt sie | Kämpft gegen Lamm und wird überwundenKämpft gegen Hure und vernichtet sie |
| Alle, die nicht im Buch des Lebens geschrieben sind beten das Tier an | Alle, die nicht im Buch des Lebens geschrieben sind sind überwältigt |
Zweitens gibt es auch eine starke Verbindung zwischen dem zweiten Tier in Kapitel 13 und der Hure.
Die Hure und das zweite Tier
| Das zweite Tier aus Offenbarung 13 | Die Hure |
|---|---|
| Kommt aus Erde | Sitzt in Wüste |
| Hat zwei Hörner wie ein Lamm | Ist reich gekleidet und geschmückt, was an das spätere Bild der Braut im Buch erinnert (die Braut des Lammes) |
| Agiert in Macht des (ersten) Tieres | Sitzt auf dem (ersten) Tier |
| Kann Feuer vom Himmel fallen lassen | Wird durch Feuer vernichtet (Offb.18/9) |
| Alle, die es nicht anbeten werden getötet | Trinkt Blut der Heiligen |
| Macht allen ein Zeichen an Stirn und Hand | Hat Zeichen auf Stirn: Babel |
| Kann nicht kaufen oder verkaufen ohne Zeichen | Händler, die mit ihr Handel trieben, können nichts mehr kaufen oder verkaufen, jetzt da sie gefallen ist (Offb.18/11-17) |
| Benötigt Weisheit | Benötigt Weisheit |
Auch hier ist die Macht umgekehrt: Während das Tier in Kapitel 13 Feuer vom Himmel fallen lässt, wird sie in Kapitel 17 durch Feuer vernichtet; und während es dort Menschen ein Zeichen auf die Stirn setzt, trägt sie hier selbst einen Namen auf ihrer Stirn, als gehöre sie jemandem oder sei zum Gericht gezeichnet.
Wo bleibt also das dritte Mitglied der Dreifaltigkeit in dieser Szene? Er hält sich im Hintergrund, genau wie in Kapitel 13 und bei der Beschreibung der Reiter — aber man sieht ihn bei der sechsten Schale und in Kapitel 20.
Das war auch im historischen Kontext so: Man sieht die beiden Tiere, aber nicht den Teufel direkt.
Die Entwicklung des Bildes
Verfolgt man die Entwicklung dieses Bildes durch das Buch, begegnet man Satan zuerst in den vier Reitern. Diese Szene folgt unmittelbar darauf, dass Jesus als der Einzige erklärt wird, der würdig ist, die Schriftrolle zu öffnen und der Welt das Heil zu bringen — und Satan wird sofort danach entlarvt, denn ein Sieg ohne bleibenden Bestand ist genau das, was er im ersten Reiter verspricht.
Er scheint der Sieger zu sein, doch am Ende hinterlässt er überall Zerstörung und Tod. Er wird als das genaue Gegenteil dessen entlarvt, was Jesus bringt. Aber was genau bringt Jesus, das der Teufel nicht kann?
Das ist das Thema, das in der Geschichte vom Drachen und den beiden Tieren entfaltet wird. Dort hat Satan tatsächlich einiges wirklich Verlockendes anzubieten. Doch der Text stellt dem eine klare Alternative gegenüber: die beiden Zeugen, die einen Lebensstil der Anbetung führen und in ihrem Zeugnis treu bleiben bis in den Tod.
Dieser Kontrast entfaltet sich schließlich vollständig in der letzten Vision, wo Babylon ausführlich als das dunkle Gegenstück zum Neuen Jerusalem beschrieben wird.