Das Sendschreiben an Sardis

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Wie sieht eine tote Gemeinde aus, und wie haucht man ihr neues Leben ein? Der Brief an Sardis beantwortet beide Fragen.

Historischer Hintergrund

Sardis hatte die längste Geschichte aller sieben Städte und war dafür ideal gelegen - am Rand eines Gebirgszugs, in einem fruchtbaren Tal, mit einem günstigen Klima.

Die Stadt hatte schon immer Gewicht. Als ein gewaltiges Erdbeben sie im Jahr 17 n. Chr. zerstörte - die schlimmste Naturkatastrophe, die die zwölf Städte Lydiens in lebendiger Erinnerung getroffen hatte -, wurde sie unter kaiserlicher Förderung wieder aufgebaut, wobei Tiberius Sardis die größte Hilfssumme aller betroffenen Städte gewährte, dazu einen fünfjährigen Steuererlass. Neun Jahre später, im Jahr 26 n. Chr., schloss sich die dankbare Stadt zehn weiteren an, die Rom um die weitere Ehre baten, einen Tempel für den Kaiser errichten zu dürfen - verlor den Wettbewerb aber an Smyrna, dessen Gesandte erfolgreich die jahrhundertealte Treue ihrer Stadt zu Rom geltend machten.

Sardis war zudem eine natürliche Festung, die hoch über dem Talboden auf einem von Klippen umringten Bergrücken stand, jedoch ohne Verbindung zu den umliegenden Bergen. Diese Lage erzeugte Selbstüberschätzung: Die Stadt hielt sich für uneinnehmbar, doch Feinde eroberten sie zweimal, beide Male, indem sie sich genau an den Stellen einschlichen, die als unerreichbar galten - zuerst durch Kyros den Großen im Jahr 547 v. Chr., dessen Soldat einen unbewachten Spalt in der Felswand erklomm, und erneut durch Lagoras, den General des Antiochos III., im Jahr 214 v. Chr., mit demselben Trick an einer anderen Seite derselben Akropolis.

Jesu Sicht

Jesus begegnet dieser Gemeinde als der, der die Fülle des Geistes und die sieben Sterne - die Engel der Gemeinden - hält.

Es gibt hier wenig Lob - nur eine Handvoll Gläubige in der Gemeinde werden als tadellos bezeichnet - und stattdessen viel Tadel: Die Gemeinde ist tot, ihre Werke sind unvollständig, und sie muss schnell handeln, wenn sie noch einen echten Zweck zurückgewinnen will. Was ist also schiefgelaufen?

Das Problem

Das Grundproblem ist ein falsches Gefühl der eigenen Bedeutung. Die Selbstüberschätzung der Stadt bezüglich ihrer uneinnehmbaren Lage ist auf die Gemeinde abgefärbt, die inzwischen glaubt, ohne die Kraft des Heiligen Geistes auskommen zu können. Zweimal in ihrer Geschichte wurde Sardis von einem Feind überrascht, der genau den einen unbewachten Zugang fand, den die Stadt nie im Blick hatte - und genau das ist die Warnung, die Jesus der Gemeinde gibt: wenn du nicht aufwachst, werde ich kommen wie ein Dieb, und du wirst nicht wissen, zu welcher Stunde ich zu dir komme.

Die Beschreibung der Gemeinde als tot, die aufwachen muss, bevor auch der Rest stirbt, erinnert an die Vision vom Tal der toten Gebeine bei Hesekiel, wo der Geist kommt und neues Leben in das Tote haucht. Ebenso deutet der Vorwurf, Jesus habe “ihre Werke vor Gott nicht als vollständig befunden”, auf eine Gemeinde hin, die geschäftig wirkt, ohne dass der Geist dahintersteht - Werk, das wie etwas aussieht, aber vor Gottes Augen überhaupt nicht vollendet ist.

Ein Leben ohne den Heiligen Geist ist einfach nicht tragfähig. Sardis muss schnell handeln, sonst wird die Rückkehr des Herrn die Gemeinde völlig überraschen - genau wie ihre eigene Akropolis zweimal von Feinden eingenommen wurde, die die eine Lücke in ihrer Verteidigung fanden.

Die Verheißung

Weiße Gewänder stehen hier für Reinheit und Sieg - die „gerechten Taten der Heiligen Gottes", die später in der Offenbarung (19,8) dargestellt werden -, im Gegensatz zu einer Gemeinde, die „ihre Kleider befleckt" hat durch Kompromisse. Die Verheißung, dass ihre Namen nicht aus dem Buch des Lebens gestrichen werden, bedeutet, dass sie ihr Bürgerrecht im Himmel nicht verlieren werden - doch diese Verheißung gilt nur denen, die Buße tun.

Dieser Brief ist am Ende ein Weckruf, der eine sterbende Gemeinde aufrütteln und zum Handeln bewegen soll.

Quellen