Ein Buch mit sieben Siegeln

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Kennst du die Redewendung „das ist für mich ein Buch mit sieben Siegeln“, mit der man ein großes Geheimnis bezeichnet? Der Ausdruck stammt tatsächlich aus diesem Kapitel — auch wenn er dort nicht ganz das bedeutet, was man gemeinhin annimmt.

Das Buch mit den sieben Siegeln

Im Thronsaal, dem Ort vollkommener Anbetung, erscheint eine Schriftrolle mit sieben Siegeln und zieht alle Aufmerksamkeit auf sich. Doch was hat es mit dieser siebenfach versiegelten Schriftrolle auf sich?

In der antiken Welt wurden versiegelte Rechtsdokumente — etwa ein Testament, das von sieben Zeugen versiegelt wurde — von einer dazu bestimmten Partei geöffnet, um ihren Inhalt in Kraft zu setzen und damit rechtsgültig zu machen. Doch die Offenbarung könnte sich auch auf das näherliegende Bild der versiegelten Schriftrolle aus dem Alten Testament stützen, etwa Hesekiels Klagerolle (Hes 2,9–3,3) oder Daniels Buch, das „versiegelt bis zur Zeit des Endes" ist (Dan 12,4) — ein passender Hintergrund für ein Buch darüber, dass Gottes Plan endlich entsiegelt wird.

Wenn die Stimme also fragt, wer würdig sei, die Schriftrolle zu öffnen, meint sie eigentlich: „Wer ist in der Lage, den Inhalt dieser Schriftrolle in Kraft zu setzen?“ An dieser Stelle ist noch nicht ganz klar, wofür die Schriftrolle konkret steht — man könnte sie die Propheten, das Alte Testament oder schlicht Gottes Plan nennen —, aber eines ist klar: Wer sie öffnet, wird die Welt regieren. Da sich niemand findet, der sie öffnen kann, gerät Johannes verständlicherweise in tiefe Not.

Doch es gibt einen, der sie öffnen kann: den Löwen aus Juda — der uralte Titel aus Jakobs Segen über Judas Stammeslinie, den Herrscher, dessen Zepter nicht weichen sollte, bis ihm der Gehorsam aller Völker gehört. Das hört Johannes — doch was er sieht, ist ein geschlachtetes Lamm. Beides sind Aspekte derselben Wirklichkeit: Das scheinbar hilflose Lamm ist der siegreiche, unbesiegbare Löwe. Es ist das Geheimnis eines Helden — ein herausforderndes Bild, denn jede apokalyptische Erwartung zeichnet einen starken Herrscher, der die Mächte des Bösen mit purer Kraft stürzt.

Ein weiteres überraschendes Element ist die Anbetung des Lammes. Im vorigen Kapitel drehte sich alles um den Thron; hier dreht sich alles um Jesus — er wird angebetet, und Gott lässt es zu. Gerade das ist bezeichnend: Es zeigt, dass Jesus wahrhaftig Gott ist, denn nur Gott darf zu Recht angebetet werden.

Die sieben Siegel

Wenn Jesus die Siegel öffnet, sorgt er dafür, dass die Pläne des Teufels entlarvt werden. Satan will die Welt beherrschen, und die ersten vier Siegel zeigen genau, was er auf der Erde bewirken will.

Da die Heiligen von diesen Nöten nicht ausgenommen sind (warum, werden wir bei den Posaunen sehen), leiden sie und fragen, wie lange das noch dauern wird. Doch ihre Bitte um Gerechtigkeit wird noch nicht erhört — stattdessen erhalten sie weiße Gewänder und werden aufgefordert zu warten, bis die volle Zahl der Märtyrer erreicht ist. Von hier an zieht sich die Spannung zwischen dem Gebet der Heiligen und Gottes Zeitplan als wiederkehrendes Thema durch das Buch.

Was folgt, ist ein kosmischer Umsturz, dem universeller Schrecken begegnet: Jeder, vom König bis zum Sklaven, verbirgt sich und fleht darum, vor dem Zorn des Lammes verschont zu bleiben — desselben Lammes, das gerade noch als geschlachtet dargestellt wurde. Der, der durch sein Sterben gesiegt hat, ist auch der, dessen kommendem Zorn niemand entkommen kann. Das ist tatsächlich der Tag des Herrn — das Endgericht, bei dem jeder Rechenschaft ablegen muss und sich niemand verstecken kann.

Nach der Unterbrechung durch die 144.000 wird das siebte Siegel geöffnet, und es bringt eine halbe Stunde Stille. Stille trägt in der Bibel eine eigene Bedeutung, und in der jüdischen Literatur besteht eine enge Verbindung zwischen einer Zeit der Stille im Himmel und dem Augenblick, in dem Gott die Gebete der Heiligen hört. Das knüpft an den Gedanken aus dem fünften Siegel an, wo die Gebete der Heiligen in den Blick rücken. Auch wenn das Gebet der Heiligen nur zweimal erwähnt wird, verbindet es die Themen der Siegel und der Posaunen und spielt in beiden eine zentrale Rolle.

Quellen