Anbetung im Thronsaal Gottes

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Die Anbetung im Thronsaal ist die Antwort auf die Probleme, die in den Sendschreiben an die Gemeinden aufgezeigt wurden. Warum — und wie — wird diese Szene zur Einleitung all der Plagen, die folgen?

Der Hintergrund und Kontext

Der Vers am Ende des vorigen Kapitels erwähnte bereits den Thronsaal Gottes, aber die Verbindungen reichen tiefer: Der Abschnitt über den Thronsaal greift Formulierungen aus den ersten drei Kapiteln auf, die sich mit der Situation der Gemeinden befassen.

ThemaSendschreibenThronsaal
Empfang von Vollmachtin der Verheißung, dass die Überwinder in Thyatira den Morgenstern erhaltendass das Lamm die Schriftrolle empfängt, ebenso wie Ehre und Herrlichkeit
ÜberwinderLaodizea erhält die Verheißung, auf dem Thron zu sitzenDas Lamm hat überwunden (den Tod) und ist würdig, die Schriftrolle zu öffnen
Die sieben Geister GottesIm Sendschreiben an SardesDie Beschreibung dessen, was vor dem Thron ist und die Beschreibung der Augen des Lammes
Die weiße Kleidung der HeiligenÜberwinder tragen weiße Kleidung in Sardes, sowie Jesu Angebot an LaodizeaDie weiße Kleidung der 24 Ältesten
Heilige sitzen auf ThronenVerheißung für die Überwinder in LaodizeaDie Situation der 24 Ältesten
Heilige tragen KronenWie Smyrna verheißen und in Philadelphia Wirklichkeitwie im Bild der 24 Ältesten
Bild einer offenen TürIn der Wirklichkeit in Philadelphia und im Wunsch an LaodizeaAls Einleitung zum Thronsaal
Stimme wie eine Posaune mit Entrückung im GeistBeginn der Vision über die GemeindenBeginn der Vision hier im Thronsaal

Diese Parallelen geben der Gemeinde eine Vision ihrer eigenen geistlichen Wirklichkeit und ein Vorbild dafür, wie sie dem Beispiel Christi folgen soll. Die in dieser Vision gezeigte Wirklichkeit ist Teil dessen, wonach die Gemeinde handeln soll.

Daniel 7 bietet eine auffällige Parallele zu den Kapiteln 4 und 5 der Offenbarung:

ThemaDaniel 7Offenbarung 4-5
Einleitende FormulierungenDanielOffenbarung
Thron im HimmelDanielOffenbarung
Gott sitzt auf diesem ThronDanielOffenbarung
Die Beschreibung GottesDanielOffenbarung
Feuer vor dem ThronDanielOffenbarung
Himmlische Diener umgeben den ThronDanielOffenbarung (24 Älteste, 4 Lebewesen und Engel)
Bücher vor dem ThronDanielOffenbarung
Bücher werden geöffnetDanielOffenbarung (das Lamm wird für würdig erklärt, sie zu öffnen; das eigentliche Öffnen beginnt erst in 6,1)
Göttliche (messianische) Gestalt nähert sich dem Thron, um Vollmacht zu empfangenDanielIn der Offenbarung (als Beschreibung, weil Jesus sie aus allen Völkern erkauft hat, wofür ihn alle preisen)
Der Umfang: alle Völker, Nationen und SprachenDanielOffenbarung
Die Verzweiflung des Sehers beim Anblick der VisionDanielOffenbarung
Der Seher empfängt himmlischen Rat von einem der ThrondienerDanielOffenbarung
Heiligen wird Vollmacht gegeben, über ein Königreich zu herrschenDaniel, nicht nur zweimal, sondern dreimalOffenbarung
Abschließende Erwähnung von Gottes ewiger HerrschaftDanielOffenbarung

So umfangreich die Parallelen sind, erkennt man doch leicht, dass die Reihenfolge der Ereignisse in beiden Abschnitten unterschiedlich ist. (Die hier bereits verheißene gemeinsame Herrschaft der Heiligen wird oft mit der tausendjährigen Herrschaft aus Offenbarung 20 in Verbindung gebracht — wie beide zusammenhängen, ist eine eigene, umstrittene Frage; siehe Prämillennialismus, Postmillennialismus und Amillennialismus im Vergleich.)

Diese Szene erinnert außerdem an das Bild des himmlischen Rates, wie zum Beispiel

  • bei der Berufung Jesajas, oder
  • bei der Entscheidung über Ahabs Tod.

Warum ist Lobpreis die Antwort?

Die Probleme in den Gemeinden lassen sich so gruppieren:

  • Falsche Lehre führt zu falschem Verhalten (Pergamon, Thyatira),
  • falsche Selbsteinschätzung führt zu falschem Handeln (Sardes, Laodizea),
  • falsche Prioritäten führen zur Bedeutungslosigkeit (Ephesus),
  • sehr schwierige Umstände erhöhen die Gefahr aufzugeben (Smyrna, Philadelphia).

Für all das ist die Anbetung die Antwort:

  • Je mehr wir das Original — Gott selbst — kennen und verstehen, desto weniger lassen wir uns von falschen Lehren beeinflussen.
  • Wenn wir Gott kennen und ihn so anbeten, wie er wirklich ist, verstehen wir uns selbst besser und erkennen, wo wir ihn brauchen.
  • Wenn wir unseren Platz in der Beziehung zu Gott finden, ordnen sich unsere Prioritäten: Steht Gott nicht an erster Stelle, gerät alles andere an den falschen Platz.
  • Wenn wir unser Vertrauen auf Gott setzen und treu mit ihm gehen, werden wir nicht so leicht erschüttert, weil wir etwas Unerschütterliches gefunden haben.

Der Thronsaal

Johannes’ erster Eindruck ist die Herrlichkeit Gottes — so überwältigend, dass es unmöglich ist, Gott direkt zu sehen. Als Mose bat, Gottes Herrlichkeit zu sehen, konnte er es nicht — doch Gott ließ seine Güte an ihm vorüberziehen und verkündete seinen Namen: barmherzig und gnädig, und doch einer, der den Schuldigen nicht ungestraft lässt. Gottes Herrlichkeit hält Barmherzigkeit und Gerechtigkeit zusammen. Wir sollten die folgenden Gerichte also aus der Perspektive eben dieser Herrlichkeit lesen: echte Barmherzigkeit, zusammengehalten mit echter Gerechtigkeit.

Das zweite bemerkenswerte Detail ist der Regenbogen. Er erinnert an den Bund mit Noah, in dem Gott den Regenbogen als sein Versprechen setzte, die Erde nie wieder mit einer Flut zu vernichten und die Jahreszeiten zu erhalten. Diesem Bund war keine Bedingung an Noah geknüpft. Dieses Detail wirft ein eigenes Licht auf die Art der Plagen, die aus dem Thronsaal hervorgehen: Es gibt Gericht, aber es ist begrenzt.

Das letzte Detail ist das gläserne Meer, das drei Assoziationen trägt:

  • Gottes Herrlichkeit im Himmel und auf der Erde während des Auszugs,
  • Israels Durchzug durch das Rote Meer beim Auszug,
  • das bronzene Meer in Salomos Tempel (seine Herstellung).

Das Meer ist zugleich der Ort des Bösen und wird mit bösen Menschen in Verbindung gebracht — das gläserne Meer ist also ein Bild des erstarrten Bösen.

Zusammengenommen zeigt das gläserne Meer, dass Gott seinem Volk nahe ist und es beschützt. Die Heiligen werden während der Plagen weiterhin gegenwärtig sein, aber Gott wird bei ihnen sein und sie hindurch bewahren.

Das ist das Thema, das sich durch die ganze Szene zieht: Jede Reihe von Plagen, jede Ankündigung, hat ihren Ursprung im Thronsaal. Das ist der zentrale Ort des Buches, weshalb es so wichtig ist, ihn zu verstehen.

Blicken wir voraus auf die kommenden Ereignisse, sehen wir:

Die Anbetung

In der antiken Welt repräsentierte der Tempel — selbst ein Abbild des himmlischen Thronsaals — die ganze Welt. Gott steht im Zentrum, und alles um ihn herum findet seinen Platz in der Beziehung zu ihm.

Schöpfung ist eine traditionelle Deutung der vier Lebewesen, die bereits Hesekiel beschrieben hat:

  • der Löwe, Herrscher der Landtiere,
  • der Ochse, stärkstes der Haustiere,
  • der Mensch, Herrscher der Schöpfung,
  • der Adler, Herrscher der Lüfte.

Doch Hesekiels eigene Parallelvision benennt diese Klasse von Wesen ausdrücklich als Cherubim (Hes 10,20) — die höchste Ordnung der engelhaften Throndiener. Beide Deutungen haben echte Grundlage: Die vier Lebewesen könnten das gesamte geschaffene Leben repräsentieren, das sich zur Anbetung versammelt, oder sie könnten die cherubischen Wesen sein, die diese Anbetung anführen, oder beides zugleich.

Zu ihnen gesellen sich die 24 Ältesten, die an die 24 Priesterordnungen, die 24 levitischen Torwächter und die 24 von David eingesetzten ständigen Anbeter erinnern — zugleich aber auch an die 12 Stämme Israels und die 12 Apostel als Fundament der Gemeinde. (Manche Ausleger sehen die Ältesten stattdessen als Mitglieder des himmlischen Rates — eine Ordnung von Engeln statt erlöster Menschen; die Identifikation ist umstritten. Doch die priesterlichen und davidischen Anbetungsanklänge machen die Deutung als Repräsentanten von Gottes Volk hier zur naheliegenderen Lesart.) Israel und die Gemeinde sind mit anderen Worten trotz aller Konflikte als eine Einheit zu verstehen. Die Gemeinde ist im Kern als eine anbetende Gemeinde definiert.

Zur Vertiefung

Quellen