Der neue Himmel und die neue Erde (Kap. 21-22)
Kapitel 21 und 22.
Das Buch kommt endlich beim Neuen Jerusalem an, der Stadt, in der die Geschichte endet. Ein paar Details lohnen den Blick:
- Es ist voller kostbarer Materialien (Offenbarung 21,19-21 - Perlen so groß wie Tore, mit Edelsteinen besetzte Grundmauern, Straßen aus Gold), und ein Fluss und der Baum des Lebens (Offenbarung 22,1-2) stammen direkt aus dem Garten Eden (1. Mose 2,9-14).
- Es hat die Merkmale einer Stadt (Offenbarung 21,10-17) - genau das, was die Menschheit sich für Schutz und Identität gebaut hat (1. Mose 4,16-17, 1. Mose 11,1-9), nachdem sie die direkte Beziehung zu Gott verloren hatte.
- Es ist persönlich, nicht nur Architektur (Offenbarung 21,9-10) - die Stadt wird als Braut beschrieben, und das Volk Gottes ist es, das diese Beschreibung trägt.
All das greift Tempel-Bilder auf. Aber es gibt hier ausdrücklich “keinen Tempel” (Offenbarung 21,22) - denn ein Tempel existiert, um Distanz zu Gott zu verwalten, mit abgestuftem Zugang (Außenstehender, Israelit, Levit, Priester), und nur der Hohepriester durfte je den innersten Raum betreten, das Allerheiligste, und selbst er nur einmal im Jahr.
Dieses System der Distanz ist vorbei: Das Neue Jerusalem hat die Form eines perfekten Würfels (Offenbarung 21,16) - exakt die Form des Allerheiligsten selbst. Was einst einer einzigen Person an einem einzigen Tag im Jahr vorbehalten war, steht jetzt jedem offen, der zu Gott gehört.
Direkt vor seinen Toren aber liegt das, was man gewöhnlich Hölle nennt (Offenbarung 22,14-15) - und in diesem Kontrast steckt das zentrale Anliegen des ganzen Buches auf den Punkt: Beziehung zu Gott, entweder ganz angenommen oder ganz verweigert. So gesehen ist die Hölle keine von außen angefügte Strafe - sie ist schlicht das, was übrig bleibt, wenn die Quelle des Lebens selbst fehlt, für immer.