Die Posaunen (Kap. 8-9)
Kapitel 8 und 9.
Gebet setzt die Posaunen in Gang
Nach dem siebten Siegel wird es still im Himmel - in der jüdischen Tradition der Moment, in dem Gott den Gebeten seines Volkes genau zuhört. Und genau das geschieht als Nächstes: Die Engel stehen bereit, ihre Posaunen zu blasen, warten aber, bis zuerst die Gebete der Heiligen dargebracht sind. Die Posaunen werden durch Gebet in Gang gesetzt, so wie die Siegel durch Jesu Tod am Kreuz in Gang gesetzt wurden. Das ist eine bemerkenswerte Aussage darüber, was Gebet tatsächlich bewirkt.
Was die Posaunen tun
Eng an die Plagen Ägyptens angelehnt, nehmen die ersten vier Posaunen den Menschen die gewöhnlichen Sicherheiten, auf die sie sich verlassen: Wasser, Nahrung, die natürliche Ordnung, Handel und Wirtschaft. Die nächsten zwei, getrieben von dämonischen Mächten, gehen noch weiter: inneren Frieden und Hoffnung, dann das Leben selbst.
Und hier kommt die überraschende Wendung: Statt die Menschen nur weiter zu verhärten, beschreibt die Offenbarung eine wirklich gemischte Reaktion - echte, wenn auch unvollständige Schritte zur Umkehr stehen neben anhaltendem Trotz, besonders bei denen, die sich weiter an genau die Götzen klammern, die sie gerade im Stich gelassen haben. Gericht allein verändert ein Herz selten vollständig, aber es wird auch nicht als Sackgasse dargestellt - es ist ein weiterer Appell, neben allem anderen im Buch, falsche Sicherheiten loszulassen, bevor es zu spät ist.
Die Gemeinde dagegen - schon in Kapitel 7 versiegelt - wird von der Qual der fünften Posaune ausdrücklich ausgenommen (Offenbarung 9,4-6). Das heißt nicht, dass es leicht wird: Auch Gläubige verlieren dieselben Sicherheiten, und manche verlieren ihr Leben. Aber diesen Verlust zu ertragen, ohne die Hoffnung zu verlieren, wird genau zu der Art von Zeugnis, das einer zuschauenden Welt zeigt, wie echte Sicherheit aussieht.

Schlüsselbilder
- Der Abgrund - das Gefängnis der gottfeindlichen Mächte, das sich nur mit Gottes Erlaubnis öffnet.
- Abaddon, Apollyon - hebräisch und griechisch für „Verderber" — der König der Heuschrecken, so benannt, damit niemand sein Tun für Hilfe hält.