Die Offenbarung heute: Eine orthodoxe Adaption

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Diese Reihe geht das Buch der Offenbarung für eine orthodoxe Gemeinde durch – ostkirchlich wie orientalisch-orthodox gleichermaßen –, unter Verwendung desselben zugrundeliegenden Studienmaterials wie der Rest des Projekts „Die Offenbarung heute", gelesen jedoch mit den Instinkten, die eure Tradition der Schrift bereits entgegenbringt.

Das erweist sich als echter Vorteil. Die Offenbarung ist das liturgischste Buch des Neuen Testaments: ein Thronsaal voller unaufhörlicher Anbetung, Weihrauch, Älteste, ein geschlachtetes und doch stehendes Lamm, ein vierfacher Chor lebendiger Wesen. Westliche Leser müssen oft erst lernen, dies wahrzunehmen. Ihr nicht. Jede Göttliche Liturgie versetzt euch bereits mitten hinein – die Ikonostase als der Vorhang vor dem Allerheiligsten, das Trisagion als Widerhall des unaufhörlichen Rufes der Seraphim, der Große Einzug als Anklang an die Prozession vor dem Thron. Wenn Offenbarung 4 und 5 sich öffnen, bitten wir euch nicht, uns etwas Fremdes vorzustellen. Wir bitten euch, euren eigenen Altar wiederzuerkennen.

Die patristische Tradition wird hier nicht als eine Option unter mehreren modernen Theorien behandelt – sie ist der Ausgangspunkt. Der Kommentar des Andreas von Caesarea aus dem sechsten Jahrhundert, das maßgebliche orthodoxe Referenzwerk zu diesem Buch, prägt, wie diese Einheiten mit Symbol, Zahl und Bild umgehen. Wo das Ausgangsmaterial einen Punkt von Grund auf argumentiert, haben wir versucht zu zeigen, dass dies oft ohnehin schon der Instinkt der Kirche war: eine symbolische Lesart der Tiere und Schalen, eine amillennialistische Lesart der tausend Jahre, eine gefestigte Zuversicht, dass Christus bereits gesiegt hat, auch während das Leiden dieses Zeitalters andauert. Und die apophatische Zurückhaltung eurer Tradition – die Weigerung, das, was Mysterium bleibt, überzudefinieren, besonders rund um das letzte Gericht – ist keine Lücke, die es zu füllen gilt. Sie ist eine Form der Demut, die dieses Buch selbst vorlebt, da selbst Johannes, dem die Vision unmittelbar gegeben wurde, wiederholt aufgefordert wird, das Gesehene zu versiegeln, statt es vollständig zu erklären.

Zwei Dinge verdienen es, ehrlich benannt zu werden, im Geist der Selbstprüfung, nicht der Anklage. Erstens: An Orten, wo Orthodoxie und nationale Identität eng miteinander verwachsen sind, trifft die Warnung der Offenbarung vor einem Staat, der letzte Loyalität einfordert, näher zu Hause, als man bequem zugeben möchte – es lohnt sich, bei diesem Gedanken zu verweilen, statt ihn auf die Reiche anderer Leute abzulenken. Zweitens: Für koptische, assyrische und andere orientalisch-orthodoxe Gemeinschaften, die im Nahen Osten als bedrängte Minderheit leben, und für jeden Leser, der um des Namens Christi willen unter echtem Druck steht, braucht dieses Buch vielleicht kaum Erklärung. Die Verbannung des Johannes, die Märtyrer unter dem Altar, die „Wie lange noch?" rufen, die beiden Zeugen, getötet und gerechtfertigt – diese Einheiten sind mit dem Bewusstsein geschrieben, dass manche von euch hier nicht über die Geschichte eines anderen lesen.

Möge diese Reihe weniger ein Argument sein, das euch überzeugen will, als vielmehr eine Heimkehr zu einem Buch, das euer Gottesdienst die ganze Zeit schon leise eingeübt hat.

Details

Einführung & HintergrundAnbetung, Siegel & Posaunen (Offb. 4–11)Der große Konflikt (Offb. 12–19)Das Ende & Rückblick (Offb. 20–22)
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