Tour durch die Geschichte

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Hier ist die Geschichte der Offenbarung, von Anfang bis Ende, erzählt, wie die ganze Kirche sie immer schon halb gewusst hat: als Liturgie. Keine Fußnoten, keine Fachbegriffe - nur die Geschichte, und die Anbetung in ihrer Mitte, die dir vertraut vorkommen dürfte.

Wie alles begann

Am Anfang kniete Gott sich in den Staub, formte mit seinen eigenen Händen einen Menschen und hauchte ihm seinen eigenen Atem ein. Adam erwachte in einem Garten voller Leben, dorthin gesetzt, um ihn zu hüten, wie ein Priester ein Heiligtum hütet - der erste Tempel, in dem Gott inmitten seiner eigenen Schöpfung wandelte und das erste Lob empfing, das ihr dargebracht wurde.

Nur eines war nicht gut: Adam war allein. Also baute Gott aus Adams eigener Seite Eva, und für einen strahlenden Moment stand die ganze Schöpfung da, wie sie stehen sollte - ein einziger Akt der Anbetung, zurückgegeben an den Gott, der sie geschaffen hatte.

Es hielt nicht an. Adam begehrte die Gabe mehr als den Geber. Diese eine kleine Abkehr riss die Welt entzwei, und das Heiligtum blieb leer zurück.

Aus dem Garten vertrieben, bauten Adams Nachkommen sich Heiligtümer nach eigenem Entwurf - Städte, Türme, Königreiche - dargebracht Göttern, die sie nicht hören konnten. Aber Gott hatte sein Vorhaben der Gemeinschaft mit ihnen nicht aufgegeben. Er wandte sich an Abraham und rief ihn, sich ganz einer Verheißung anzuvertrauen - am Ende sogar mit dem Sohn, auf den er ein Leben lang gewartet hatte.

Aus Abraham ließ Gott ein Volk erstehen, Israel, und gab ihm, was Adam verloren hatte: ein Zeltheiligtum, dann einen Tempel, Weihrauch, der morgens und abends aufstieg, einen Vorhang, der das Allerheiligste verhüllte. Die Anbetung, wiederhergestellt - aber nur im Schatten, nur aus der Ferne.

Die Verheißung

Israel trug die Verheißung, und das Muster dazu: Würde dieses Volk die Gaben mehr lieben als den Geber, so wie Adam? Es tat es, bis der Bund in Trümmern lag, der Tempel zerstört war und das Volk vertrieben wurde, verbannt wie einst Adam.

Aber Gott war noch nicht fertig. Er versprach einen Erlöser - einen, der ein Reich errichten würde, und eine Anbetung, die niemals fallen würde: eine Tür, die jedem offensteht, der bereit ist, durch sie hindurchzugehen.

Die Vision (Kapitel 1)

Stell dir die Szene vor: ein alter Mann, allein auf einer felsigen Insel mitten im Meer, verbannt, weil er sich vor niemandem beugen wollte außer vor Christus. Es ist der Tag des Herrn - derselbe Tag, der seither in jeder Pfarrei und jeder Pfarrkirche heiliggehalten wird -, und Johannes hält ihn, auch in der Verbannung, so gut er kann. Dann erschallt eine Stimme hinter ihm wie eine Posaune, und alles ändert sich.

Er dreht sich um, und die Vision überwältigt ihn ganz: sieben goldene Leuchter, die in der Luft brennen und an den Leuchter erinnern, der einst im Heiligtum Israels stand, und mitten unter ihnen einer, unmöglich zu beschreiben und unmöglich, den Blick von ihm abzuwenden. Augen wie Feuer. Füße wie Bronze, glühend aus dem Schmelzofen. Eine Stimme wie das Rauschen vieler Wasser, ein Gesicht, zu strahlend, um es unmittelbar zu schauen, als blickte man in die Sonne. Sieben Sterne ruhen in seiner rechten Hand; ein Schwert, geschärft auf beiden Seiten, geht aus seinem Mund hervor.

Johannes fällt vor ihm nieder wie ein Toter - dieselbe Haltung, die die ganze Schrift von jedem verlangt, der dieser Herrlichkeit wahrhaft begegnet, die Haltung, die noch immer an der Schwelle jedes Heiligtums eingenommen wird, in dem der Herr wahrhaft gegenwärtig ist.

Dann legt sich eine Hand auf seine Schulter, und Worte lösen die Furcht auf, noch ehe sie sich ganz formen kann: „Fürchte dich nicht. Ich bin der Erste und der Letzte, der Lebendige. Ich war tot - und siehe, ich lebe in alle Ewigkeit. Und ich habe die Schlüssel des Todes und des Hades."

Die Wahrheit bricht herein wie der Sonnenaufgang: Das lang erwartete Reich ist bereits angebrochen, und jedem Glaubenden - König und Priester zugleich - ist Anteil gegeben an Christi eigenem Priestertum, eben jenem Priestertum, das an jedem Altar ausgeübt wird, an dem sein Opfer verkündet wird.

Bevor irgendetwas anderes gesagt werden darf, muss dies gesagt sein: Diese Vision offenbart, wozu die Kirche da ist - ein Leuchter, am Brennen gehalten nicht aus eigener Kraft, sondern getragen von dem, der mitten unter den Leuchtern steht. Nicht mehr wird von ihr verlangt; weniger aber genügt nicht.

Also: Wird sie bereit befunden, ihre Lampe noch brennend, wenn er wiederkommt, um unter den Leuchtern zu wandeln?

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Die Briefe an die Gemeinden (Kapitel 2-3)

Sieben Gemeinden, sieben Briefe, sieben Spiegel, die sieben ganz unterschiedlichen Gemeinden vorgehalten werden - jede noch immer daran gemessen, ob ihr Leuchter rein brennt vor dem, der mitten unter ihnen wandelt.

Ephesus arbeitet sich bis zur Erschöpfung ab, gesund in jeder Lehre, treu in jeder Pflicht - und hat dabei still die Liebe aus den Händen gleiten lassen. Ohne sie kommt alle Mühe zu nichts, wie korrekt die Liturgie auch gehalten wird. Besser, sagt der Herr, dieser Leuchter werde von seiner Stelle gerückt, als so fortzufahren.

Smyrna könnte nicht unterschiedlicher sein: arm, verachtet, von einer feindseligen Stadt von allen Seiten bedrängt - und eine von nur zwei Gemeinden, die nichts als Lob empfangen.

Pergamon hält stand, im Schatten des Thrones Satans selbst. Manche sterben dafür. Doch innerhalb ihrer Mauern hat sich falsche Lehre unwidersprochen eingeschlichen und führt die Herde still von der rechten Anbetung weg.

In Thyatira beginnt die Verderbnis ganz oben: Die Hirten selbst haben sich von der Herde entfernt, die zu hüten ihnen anvertraut war.

Sardes erscheint von außen lebendig - ihre Formen werden vielleicht noch gewahrt. Innen ist sie längst tot, überzeugt, es ohne Gott zu schaffen, und scheitert deshalb an fast allem.

Philadelphia ist die andere Gemeinde, die ohne Einschränkung gelobt wird: klein, erschöpft, ohne jede Rücklage in ihrer Schatzkammer, und dennoch treu - und ihr verheißt der Herr einen Platz als Säule im Tempel seines Gottes, den sie nie mehr verlassen wird.

Dann ist da noch Laodizea: lauwarm, selbstzufrieden, blind für die eigene Armut - die einzige Gemeinde, die überhaupt kein Lob erhält. Und doch geht der Herr selbst von ihrer Tür nicht fort. Er klopft an. Er warnt. Er will noch immer eintreten und mit ihr Mahl halten, mit ihr speisen wie mit einer Freundin - hier der erste kleine Vorgeschmack auf das Hochzeitsmahl, auf das das ganze Buch zugeht. Dem, der siegt, verheißt er einen Platz an seiner Seite auf seinem eigenen Thron, so wie die Erlösten einst dem Altar des Lammes am nächsten stehen werden.

Sieben Leuchter, sieben Rufe, zu wachen und recht anzubeten - und jeder Brief schließt mit demselben Kehrvers: Wer ein Ohr hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt.

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Anbetung (Kapitel 4-5)

Es liegt an jedem Glaubenden, aufzustehen und sich bereitzumachen für das, was kommt. Aber wie bereitet man sich auf etwas von dieser Größe vor?

Die Antwort des Herrn ist keine Strategie. Sie ist eine Liturgie. Eine Tür steht offen im Himmel, und Johannes wird durch sie hinaufgenommen in den Raum, wo jedes Geschöpf und jede Krone ihren wahren Platz vor Gott findet - eben jener Raum, von dem jeder Akt wahrer Anbetung auf Erden seit jeher sein Urbild empfangen hat, das Heiligtum, von dem jeder Altar auf Erden nur Abbild und Schatten ist.

Rings um den Thron rufen vier lebendige Wesen ohne Unterlass, Tag und Nacht: „Heilig, heilig, heilig ist der Herr, Gott, der Allmächtige, der war und der ist und der kommt." Das ist derselbe Ruf, der bis heute im Herzen der Messe und der Göttlichen Liturgie gesungen wird, das Sanctus, erhoben an jedem Altar, an dem Brot und Wein dargebracht werden - dieselben Worte, derselbe Ruf, ungebrochen aus jenem Thronsaal in diesen hier getragen. Vierundzwanzig Älteste fallen nieder vor dem, der dort thront, und werfen ihre Kronen vor dem Thron nieder, denn Anbetung kostet etwas: Sie bedeutet, jede eigene Krone abzulegen und nichts zurückzuhalten.

Dann erscheint eine Buchrolle, mit sieben Siegeln versiegelt, in der rechten Hand dessen, der auf dem Thron sitzt, und nirgendwo wird jemand für würdig befunden, sie zu öffnen - bis ein Ältester sagt: Weine nicht mehr, denn gesiegt hat der Löwe aus dem Stamm Juda. Johannes hält Ausschau nach einem Löwen. Er sieht ein Lamm, stehend wie geschlachtet, und bei seinem Anblick fällt jedes Geschöpf im Himmel und auf der Erde und unter der Erde nieder, um es anzubeten: „Würdig ist das Lamm, das geschlachtet wurde, zu empfangen Macht und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Herrlichkeit und Lob." Goldene Schalen voll Weihrauch werden in den Händen der Ältesten erhoben - „das sind die Gebete der Heiligen", wird Johannes ausdrücklich gesagt - derselbe Weihrauch, der noch immer aus dem Rauchfass aufsteigt, bei jeder Vesper, jedem feierlichen Hochamt, und die Gebete der Gläubigen emporträgt, genau wie einst vor jenem Thron.

Er ist der Held der ganzen Geschichte: würdig, als sonst niemand für würdig befunden wurde, zu öffnen, was geöffnet werden musste, und zu regieren, was regiert werden musste. Wer einmal durch diese offene Tür getreten ist und vor diesem Lamm gekniet hat, für den gibt es keine Rückkehr zu dem, der er vorher war.

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Die Siegel (Kapitel 6)

Die Siegel brechen, eines nach dem anderen, und jedes lässt etwas Neues auf die Erde los - und selbst hier, in der Entsiegelung der Katastrophe, bleibt der Schauplatz der Thronsaal: Nichts wird losgelassen, außer was das Lamm selbst entsiegelt.

Zuerst galoppiert ein weißes Pferd hervor - ein Reiter mit einem Bogen, gekrönt, schon auf Eroberung aus. Einen Augenblick lang gleicht es dem Sieg. Es ist eine Fälschung: Christus ist nicht der Einzige, der Anspruch auf die Anbetung der Menschen erhebt, und dieser Reiter leiht sich die Farbe des wahren Königspferdes, um eine Lüge zu verkaufen. Nimm die Verkleidung weg, und es bleibt allein die Gewalt. Hinter dem weißen Pferd kommt ein blutrotes, und der Friede wird von der Erde gerissen wie ein Schorf, Nachbar wendet sich gegen Nachbar. Hinter dem roten Pferd ein schwarzes, dessen Reiter eine Waage in der Hand hält - ein Tageslohn für ein Tagesbrot, während Öl und Wein für die geschont werden, die sie sich noch leisten können. Hinter dem schwarzen Pferd eines von der Farbe der Asche, und der Name seines Reiters ist Tod, mit dem Totenreich dicht auf den Fersen.

Eroberung weicht dem Krieg, Krieg dem Hunger, Hunger dem Tod.

Dann bricht das fünfte Siegel, und was es enthüllt, ist kein Heer, sondern ein Altar - derselbe Altar, unter dem Weihrauch und Opfer durch die ganze Vision hindurch gebrannt haben - und darunter die Seelen derer, die um ihres Zeugnisses willen getötet wurden, mit einer Stimme rufend: Wie lange noch, heiliger und wahrhaftiger Herrscher, bis du die Erde richtest und unser Blut rächst? Jedem wird ein weißes Gewand gegeben, dasselbe Gewand, das jede erlöste Seele vor dem Thron trägt, und gesagt, noch eine kleine Weile zu ruhen. Selbst hier, unter dem Altar, bleibt die Haltung Anbetung, nicht Verzweiflung - ein Martyrium, dargebracht und nicht bloß erduldet.

Der Himmel selbst antwortet als Nächstes: Die Sonne wird schwarz wie ein Trauergewand, der Mond wird wie Blut, die Sterne fallen wie unreife Feigen, die der Sturm vom Baum schüttelt, und der Himmel wird zusammengerollt wie eine Buchrolle. Die Welt ertrinkt bereits in dem, was sie über sich selbst gebracht hat, und die Kirche steht mitten in den Trümmern und ruft noch immer - sie gibt die Liturgie auch hier nicht auf, sondern trägt sie, wie Weihrauch, mitten hinein in die Verwüstung.

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Die Armee Gottes (Kapitel 7)

Bevor es schlimmer wird, geschieht etwas anderes: Die Seinen Gottes werden versiegelt - auf der Stirn bezeichnet, mitten im Sturm unverkennbar als sein Eigentum beansprucht, genau wie jeder Glaubende am Taufbecken und bei der Firmung bezeichnet wird, vor dem Altar ausgesondert als einer, der dem Herrn gehört.

Dann sieht Johannes die Schar, die dieses Siegel gesammelt hat: eine große Menge, die niemand zählen kann, aus allen Nationen und Stämmen und Völkern und Sprachen, stehend vor dem Thron und vor dem Lamm, in weiße Gewänder gekleidet, Palmzweige in den Händen - dieselben weißen Gewänder, die jede Seele unter dem Altar trägt, dieselbe Prozession, die widerhallt, wann immer eine Gemeinde mit Palmzweigen einzieht, wann immer die Neugetauften am Taufbecken in Weiß gekleidet werden. Sie rufen mit lauter Stimme: „Das Heil gehört unserem Gott, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm." Die Engel und die Ältesten und die lebendigen Wesen fallen vor dem Thron auf ihr Angesicht und beten an: „Amen! Lob und Herrlichkeit und Weisheit und Dank und Ehre und Macht und Stärke unserem Gott in alle Ewigkeit. Amen." Das ist dieselbe siebenfache Doxologie, die noch immer in jedem feierlichen „Ehre sei dem Vater" am Ende eines Psalms nachklingt.

Ein Ältester fragt, wer diese sind, die weißen Gewänder tragen, und beantwortet seine eigene Frage: Es sind die, die aus der großen Bedrängnis kommen, die ihre Gewänder gewaschen und im Blut des Lammes weiß gemacht haben. Darum stehen sie vor dem Thron Gottes und dienen ihm Tag und Nacht in seinem Tempel - die ewige Liturgie, ungebrochen, an der jede irdische Göttliche Liturgie bereits Anteil hat. Der auf dem Thron sitzt, wird sein Zelt über ihnen aufschlagen; sie werden nicht mehr hungern und nicht mehr dürsten, und Gott selbst wird jede Träne von ihren Augen abwischen.

Das ist die Armee Gottes - auch wenn sie kämpft wie keine Armee, die je aufgestellt wurde. Keine Schwerter, keine geliehene Gewalt, nur unaufhörliche Anbetung und eine Treue, die nichts erschöpfen kann. Was auch folgt, so viel ist bereits entschieden: welche Seite gewählt ist und wessen Liturgie gehalten wird.

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Die Posaunen (Kapitel 8-9)

Stille tritt ein im Himmel, etwa eine halbe Stunde lang - dieselbe Stille, die sich noch heute bei der Wandlung über ein Heiligtum senkt, dieselbe Stille, die vor dem Allerheiligsten gehalten wird -, und in diese Stille hinein tritt ein Engel mit einem goldenen Rauchfass, und ihm wird viel Weihrauch gegeben, um ihn mit den Gebeten aller Heiligen auf dem goldenen Altar vor dem Thron darzubringen. Der Rauch des Weihrauchs steigt auf vor Gott, vermischt mit diesen Gebeten, genau wie er noch heute aus jedem Rauchfass aufsteigt, das vor einem Altar geschwungen wird - bei der Vesper, in der Göttlichen Liturgie, beim sakramentalen Segen. Dann nimmt derselbe Engel dasselbe Rauchfass, füllt es mit Feuer vom Altar und schleudert es auf die Erde hinab, und Donner und Blitze und ein Erdbeben antworten.

Jetzt ist es an der Kirche, die Welt zu erschüttern - nicht mit Waffen, sondern so, wie der Herr selbst immer gewirkt hat: durch das, was wie Schwäche aussieht. Die Posaunen erklingen, eine nach der anderen, und die Erde bebt als Antwort auf das Gebet der Kirche selbst, hinaufgetragen als Weihrauch und zurückgegeben als Gericht.

Nahrung versagt. Wasser wird bitter. Der Handel bricht zusammen. Die Sicherheit verschwindet. Jetzt wird die Menschheit doch gewiss aufschauen und fragen, was wirklich ist, und sich endlich dem Altar zuwenden, den sie verlassen hat.

Sie tut es nicht. Selbst als ihre Götzen sich gegen sie wenden - selbst als dieselben Götzen ihnen den letzten Rest Hoffnung nehmen, bis der Tod selbst wie eine Erleichterung erscheint -, klammern die Menschen sich fester, statt loszulassen, und beugen sich weiter vor Göttern aus Gold und Silber und Stein, die weder sehen noch hören noch gehen können. Leid allein hat noch nie ausgereicht, um ein menschliches Herz zu verändern oder es zur wahren Anbetung zurückzuführen. Umkehr wird nicht durch Not erzeugt; sie ist eine Gabe, die vor dem Thron empfangen oder verweigert wird.

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Die kleine Schriftrolle (Kapitel 10)

Der erste Angriff ist gescheitert. Not kann fast alles aufbrechen - außer ein Herz, das am falschen Altar hängt.

Nun steigt ein gewaltiger Engel herab, in eine Wolke gehüllt, ein Regenbogen über seinem Haupt, sein Gesicht wie die Sonne und seine Beine wie Feuersäulen - derselbe Regenbogen, der einst den Thron selbst umgab, nun auf die Erde herabgebracht. Er setzt einen Fuß auf das Meer und einen auf das Land und ruft mit einer Stimme wie das Brüllen eines Löwen, und sieben Donner antworten. Johannes will niederschreiben, was sie gesagt haben, doch ihm wird geboten, es zu versiegeln - eine Mahnung, dass nicht jedes Geheimnis der Liturgie gegeben ist, um erklärt zu werden; manche sind nur gegeben, um empfangen zu werden.

Dann hält der Engel eine kleine, geöffnete Schriftrolle hin und sagt Johannes, er solle sie nehmen und essen. Sie wird süß wie Honig in seinem Mund sein, aber bitter im Magen, wenn er sie geschluckt hat. Johannes tut genau dies - er nimmt das Wort Gottes leibhaftig in sich auf, wie ein Kommunikant die Hostie empfängt: zuerst die Süße auf der Zunge, und erst danach das Gewicht dessen, was wirklich empfangen wurde, das sich in das ganze Leben senkt.

Das ist keine weitere Katastrophe, zu den bereits losgelassenen hinzugefügt. Es ist eine Offenbarung im vollsten Sinn: etwas Wahres über Gott selbst, dargeboten, um geschmeckt und verdaut zu werden, nicht bloß betrachtet - im Begriff, durch Zeugnis zu vollbringen, was Gericht allein niemals vollbringen konnte. Johannes wird gesagt, er müsse abermals weissagen, über viele Völker und Nationen und Sprachen und Könige - die verzehrte Schriftrolle ist nicht das Ende seines Auftrags, sondern dessen Erneuerung, die ihn wieder hinaussendet, Zeugnis zu geben.

Die Lehre für jeden Leser ist dieselbe, die jeder Altar lehrt: Das Wort Gottes ist nicht nur zum Hören bestimmt, sondern zum Essen - aufgenommen, bis es Teil dessen wird, der es empfängt, süß in der Verheißung, kostspielig im Leben. Was Augenblicke zuvor wie unerbittliches Gericht aussah, wendet sich nun dem Zeugnis zu - zwei Zeugen, die in der nächsten Szene aufstehen und sprechen werden.

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Die zwei Zeugen (Kapitel 11)

Johannes erhält ein Messrohr und den Auftrag, den Tempel Gottes zu messen und den Altar und die, die dort anbeten - nicht aber den äußeren Vorhof, der den Nationen preisgegeben ist, ihn zu zertreten. Tritt hinter den Vorhang, und beide Welten zeigen sich, wie sie wirklich sind. Der Tempel ist kein Ort, zu dem man sich den Zutritt durch Verdienst erwirbt; er ist der Ort, an dem Treue sich entweder in Anbetung zeigt oder eben nicht.

Zwei Zeugen erhalten die Macht zu weissagen, in Trauergewänder gekleidet, stehend als die zwei Ölbäume und die zwei Leuchter vor dem Herrn der Erde - wieder Leuchter, dasselbe Bild, mit dem die ganze Vision begann, nun verkörpert in Fleisch und Blut. Sie legen Zeugnis ab mit allem, was sie besitzen, Feuer geht aus ihrem Mund hervor und verzehrt ihre Feinde, bis schließlich das Tier, das aus dem Abgrund heraufsteigt, Krieg gegen sie führt, sie besiegt und sie tötet. Ihre Leiber liegen unbestattet auf der Straße der großen Stadt, und die Völker der Erde verweigern ihnen das Begräbnis und feiern stattdessen ein Fest über den Leichen, tauschen Geschenke aus und freuen sich, dass diese beiden Quälgeister endlich verstummt sind.

Dreieinhalb Tage lang sieht es nach völliger Niederlage aus - dasselbe Zeitmaß, gebrochen und unvollständig, das sich durch so vieles in diesem Buch zieht und immer hinter der Fülle zurückbleibt, die Gott allein besitzt.

Dann fährt der Lebensatem Gottes in sie, und sie stellen sich auf ihre Füße, und große Furcht befällt alle, die sie sehen. Eine Stimme vom Himmel sagt: „Kommt hier herauf", und sie steigen in einer Wolke zum Himmel auf, vor den Augen ihrer Feinde - eine Auferstehung, die bezeugt wird, nicht bloß berichtet.

Genau das ist das Muster, das die Kirche selbst zu leben berufen ist: kein Sieg, der das Leiden umgeht, sondern einer, der mitten hindurchgeht und auf der anderen Seite aufrecht steht, vor den Augen einer zuschauenden Welt. Was dreieinhalb Tage lang wie das letzte Wort der Welt über das treue Zeugnis aussieht, darf niemals das letzte Wort bleiben. Das Grab ist nie das Ende der Liturgie; es ist immer nur ihre Mitte.

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Der Sieg Jesu (Kapitel 12)

Nun wird dieselbe Geschichte noch einmal erzählt, aus größerer Entfernung, damit der Rahmen sichtbar wird, der sie umgibt - eine ganz andere Weihnachtsgeschichte, aufgeführt am Himmel selbst. Eine Frau erscheint, mit der Sonne bekleidet, den Mond unter ihren Füßen, eine Krone aus zwölf Sternen um ihr Haupt. Sie ist schwanger und schreit in den Wehen der Geburt - die Kirche, und Israel vor ihr, die den Christus in eine Welt hineingebären, die schon auf der Lauer liegt, ihn zu verschlingen.

Dann reißt der Himmel erneut auf, und etwas weit Schlimmeres erscheint: ein gewaltiger roter Drache, sieben gekrönte Köpfe, zehn Hörner, ein Schwanz, groß genug, um ein Drittel der Sterne vom Himmel zu fegen und auf die Erde zu werfen. Er stellt sich vor die Frau und wartet - in dem Augenblick, in dem das Kind geboren wird, will er es ganz verschlingen.

Das Kind wird dennoch geboren - ein Sohn, der alle Nationen mit eisernem Zepter regieren wird - und bevor die Kiefer des Drachen zuschnappen können, wird das Kind zu Gottes eigenem Thron entrückt, sicher, außerhalb der Reichweite jedes Feindes. Krieg bricht aus im Himmel: Michael und seine Engel gegen den Drachen und die seinen, und der Drache wird besiegt. Für ihn bleibt dort kein Platz mehr. Er wird auf die Erde hinabgeworfen, und eine Stimme erschallt und verkündet, dass nun das Heil und die Macht und das Reich Gottes gekommen sind und die Herrschaft seines Christus, denn der Ankläger der Brüder ist hinabgeworfen - er, der sie Tag und Nacht vor unserem Gott verklagte. Er ist überwunden durch das Blut des Lammes und durch das Wort des Zeugnisses derer, die angesichts seiner nicht an ihrem eigenen Leben hingen.

Zornentbrannt, und wissend, dass seine Zeit kurz ist, wendet der Drache sich gegen die Frau - und als sie an einen für sie bereiteten Ort getragen wird, richtet er seine Wut gegen ihre übrigen Nachkommen, gegen alle, die die Gebote Gottes halten und am Zeugnis Jesu festhalten.

Fasse dennoch Mut: Den Drachen zu überwinden, war nie die Aufgabe der Kirche. Christus hat es bereits im Himmel vollbracht, bevor der Kampf die Erde überhaupt erreichte. Die Aufgabe, die jetzt gegeben ist, ist schlicht, weiter Zeugnis zu geben und weiter andere zu jenem Altar zu führen, an dem dieser Sieg verkündet wird - auch während der Drache, der genau weiß, wie wenig Zeit ihm bleibt, heftiger wütet als je zuvor.

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Der Drache und die zwei Tiere (Kapitel 13)

Betrachte die bisherige Bilanz des Drachen:

  • Er wollte Christus töten - und scheiterte.
  • Er wollte seinen Platz im Himmel behalten - und wurde hinausgeworfen.
  • Er wollte Israel vernichten - und scheiterte erneut.

Also greift er zu neuen Werkzeugen - zwei Tieren, eines krallt sich aus dem Meer empor, eines kriecht aus der Erde herauf. Dem ersten werden die eigene Macht des Drachen und sein Thron und große Vollmacht gegeben, und die ganze Erde staunt und betet den Drachen und das Tier an und fragt: „Wer ist dem Tier gleich, und wer kann gegen es kämpfen?" - ein Hohn auf eben jenen Ruf, der von Rechts wegen allein vor dem Thron des Lammes erklingt. Es lästert den Namen Gottes und seine Wohnung, die, die im Himmel wohnen, und führt Krieg gegen die Heiligen.

Das zweite Tier steigt aus der Erde auf, täuscht durch Wunder und Zeichen, bringt die Erde dazu, das erste Tier anzubeten, errichtet ihm sogar ein Bild und verlangt, dass alle - Kleine und Große, Reiche und Arme, Freie und Sklaven - gezeichnet werden und dass niemand kaufen oder verkaufen kann ohne dieses Zeichen. Hier ist das gefälschte Sakrament, das Zeichen, aufgerichtet gegen das Siegel, das den Erlösten bereits auf die Stirn gelegt ist: eine falsche Taufe, dargereicht von einem falschen Priestertum - denn wer immer das Tier ist, es ist eine groteske Kopie von Gott, Christus und dem Geist, nah genug am Original, um fast jeden zu täuschen, und es fordert eben die Anbetung, die dem Lamm allein gebührt.

Doch sieh genauer hin, und die Nachahmung bekommt bereits Risse. Das Tier erobert nur durch Gewalt, blendet nur durch Täuschung und baut nichts, was Bestand hat, denn der, den es kopiert, hat bereits gesiegt, endgültig, am Kreuz. Jeder Altar, den es errichtet, ist hohl; jede Liturgie, die es inszeniert, ist Theater ohne Substanz, Klang ohne einen Thron dahinter. Hier braucht es die Standhaftigkeit und den Glauben der Heiligen: ein falsches Heiligtum zu erkennen, wenn man ihm begegnet, und die Anbetung dem vorzubehalten, dem sie gebührt.

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Die zwei Ernten (Kapitel 14)

Johannes blickt auf, und da steht das Lamm auf dem Berg Zion, und mit ihm die Hundertvierundvierzigtausend, die seinen Namen und den Namen seines Vaters auf ihren Stirnen geschrieben tragen - das wahre Siegel, aufgerichtet gegen das gefälschte Zeichen, das das Tier soeben ausgegeben hat. Vom Thron kommt ein Klang wie das Rauschen vieler Wasser, wie lauter Donner und wie Harfenspieler, die auf ihren Harfen spielen, und sie singen ein neues Lied vor dem Thron, vor den vier lebendigen Wesen und den Ältesten - ein Lied, das niemand sonst lernen kann, denn es gehört allein denen, die von der Erde erlöst sind. Das sind die, die dem Lamm folgen, wohin es auch geht, unbefleckt bewahrt, die Erstlingsgabe, dargebracht Gott und dem Lamm.

Christus hat dies am Kreuz bereits gewonnen, und die Kirche hat diesem Sieg seither die Treue gehalten - und jetzt beginnen die Kräfte des Feindes, sich wie Rauch zu zerstreuen. Ein Engel fliegt hoch am Himmel, mit einem ewigen Evangelium, das er jeder Nation und jedem Stamm und jeder Sprache und jedem Volk zu verkünden hat, und ruft mit lauter Stimme: „Fürchtet Gott und gebt ihm die Ehre … und betet den an, der Himmel und Erde gemacht hat, das Meer und die Wasserquellen." Die Anbetung bleibt, auch hier, die Trennlinie, die durch die ganze Geschichte verläuft. Eine weitere Stimme folgt und verkündet, dass Babylon, die Große, gefallen ist, und eine dritte warnt vor dem Schicksal, das alle erwartet, die das Tier und sein Bild anbeten und sein Zeichen empfangen - gequält zu werden mit Feuer und Schwefel vor den heiligen Engeln und vor dem Lamm. Hier braucht es die Standhaftigkeit der Heiligen, die die Gebote Gottes halten und ihren Glauben an Jesus.

Nicht alle, die in diese Ernte eingebracht werden, gehen demselben Ende entgegen. Zwei Ernten entfalten sich: Einer wie ein Menschensohn, auf einer weißen Wolke sitzend, schwingt eine Sichel und erntet das reife Korn der Erde. Dann schwingt ein anderer Engel seine eigene Sichel und sammelt die Trauben der Erde in die große Kelter des Zornes Gottes.

Zwei Sicheln fahren über die Erde - eine Ernte wird eingebracht für das Hochzeitsmahl, eine dem Gericht übergeben. Die Wahrheit hört auf, theoretisch zu sein.

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Die Zornschalen (Kapitel 15-16)

Bevor die Schalen je ausgegossen werden, sieht Johannes ein anderes Bild im Himmel: die Sieger über das Tier und sein Bild und die Zahl seines Namens, stehend an einem gläsernen Meer, mit Feuer vermengt, Harfen Gottes in den Händen, und sie singen das Lied des Mose, des Knechtes Gottes, und das Lied des Lammes - zwei Lieder, die eins geworden sind, die ganze Heilsgeschichte in einen einzigen Hymnus gefasst: „Groß und wunderbar sind deine Werke, Herr, Gott, Allmächtiger! Gerecht und wahrhaftig sind deine Wege, König der Völker! Wer sollte dich nicht fürchten, Herr, und deinen Namen nicht preisen? Denn du allein bist heilig." Alle Nationen werden kommen und vor Gott anbeten, denn seine gerechten Taten sind offenbar geworden.

Dann wird der Tempel des Zeltes des Zeugnisses im Himmel geöffnet, und aus ihm treten sieben Engel mit sieben goldenen Schalen, gefüllt mit dem Zorn Gottes, und der Tempel füllt sich mit Rauch von der Herrlichkeit Gottes und von seiner Macht, sodass niemand ihn betreten kann, bis die sieben Plagen vollendet sind - das Heiligtum selbst, für eine Zeit dem Gericht überlassen statt der Fürbitte.

Nun ergießt sich Gottes gerechter Eifer wie etwas lange Zurückgehaltenes, das endlich freigelassen wird, Schale um Schale, Welle um Welle, bis das auf Lüge gebaute Reich nirgendwo mehr Halt findet. Jede Schale trifft genau, wohin sie zielt: die falsche Anbetung, die Grausamkeit gegen Gottes Volk, die Herzen, zu verhärtet, um selbst jetzt noch zu zerbrechen. Der Engel der Wasser erklärt es für gerecht: Die das Blut der Heiligen und der Propheten vergossen haben, haben Blut zu trinken bekommen, denn sie verdienen es. Und der Altar selbst antwortet: „Ja, Herr, Gott, Allmächtiger, wahrhaftig und gerecht sind deine Gerichte" - der Altar, der seit dem fünften Siegel die Gebete der Märtyrer getragen hat und sie nun endlich rechtfertigt.

Die Heere der Erde sammeln sich zum letzten Gefecht, an einem Ort, dessen Name zum Inbegriff der Katastrophe geworden ist: Harmagedon. Sie kommen siegesgewiss, zusammengerufen von dämonischen Geistern, die Zeichen wirken - eine letzte groteske Liturgie, aufgerichtet gegen die wahre.

Sie sind bereits erledigt. Sie wissen es nur noch nicht.

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Die Hure (Kapitel 17-19)

Eine Täuschung wartet noch darauf, enthüllt zu werden, bevor die Geschichte enden kann - und ihre Enthüllung zeigt, worum es die ganze Zeit ging: nicht bloß um die Niederlage des Bösen, sondern darum, dass Gott sich für immer an sein Volk bindet, wie in einer Ehe.

Hier ist die Täuschung: eine Frau, prachtvoll, auf einem scharlachroten Tier sitzend, in Purpur und Scharlach gehüllt, geschmückt mit Gold und Juwelen und Perlen, die von Rechts wegen der Braut gehörten, in der Hand einen goldenen Becher voller Gräuel, die jedem den Rausch anbietet, der daraus trinken will. Auf ihrer Stirn steht ihr Name geschrieben: Babylon, die Große, Mutter der Huren und der Gräuel der Erde. Zieh aber den Prunk beiseite, und darunter steht das Tier, mit gefletschten Zähnen. Sie ist keine Braut. Sie ist eine Hure, trunken vom Blut der Heiligen und der Märtyrer Jesu - und viele, selbst innerhalb der sichtbaren Kirche, sind von der Vorstellung verführt worden und haben ihren Glanz für Herrlichkeit gehalten.

Ihr letzter Auftritt wirkt makellos. Er ist es nicht. Genau die Mächte, die der Widersacher zur Zerstörung der Kirche aussendet, wenden sich um und reißen die Hure in Stücke, machen sie einsam und nackt, fressen ihr Fleisch und verbrennen sie mit Feuer - seine eigene Waffe, gegen ihn selbst gerichtet. Der Himmel jubelt über ihren Sturz: „Gefallen, gefallen ist Babylon, die Große", und eine Stimme ruft: „Zieht aus ihr fort, mein Volk, damit ihr an ihren Sünden keinen Anteil habt."

Der Weg ist endlich frei, um ihn endgültig zu erledigen.

Da bricht der Himmel selbst in Liturgie aus: Eine große Schar ruft „Halleluja! Das Heil und die Herrlichkeit und die Macht gehören unserem Gott" - dasselbe Wort, das bis heute in jeder Osternacht und jeder österlichen Liturgie gesungen wird, ungebrochen von jener Stunde bis in diese -, und die vierundzwanzig Ältesten und die vier lebendigen Wesen fallen nieder und beten Gott an und sprechen: „Amen. Halleluja!" Eine Stimme vom Thron ruft alle seine Knechte auf, ihn zu preisen, und eine große Schar antwortet wie das Rauschen vieler Wasser und wie gewaltige Donnerschläge: „Halleluja! Denn der Herr, unser Gott, der Allmächtige, hat die Herrschaft angetreten. Lasst uns freuen und jubeln und ihm die Ehre geben, denn die Hochzeit des Lammes ist gekommen, und seine Braut hat sich bereitgemacht." Selig, die zum Hochzeitsmahl des Lammes geladen sind - dieselbe Einladung, die noch immer an jeder Kommunionbank ausgesprochen wird, in den Worten, die bis heute davon widerhallen: „Selig, die zum Mahl des Lammes geladen sind."

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Das tausendjährige Reich (Kapitel 20)

Es ist vollbracht, auch wo es ungesehen geschah. Die ganze Zeit über, während die Kirche zu verlieren schien, herrschte sie bereits - nicht mit der Art von Macht, auf die irgendjemand geachtet hätte, sondern mit der stillen Vollmacht derer, die recht anbeten, während die Welt tobt. Johannes sieht Throne, und denen, die darauf sitzen, wird das Gericht übergeben; und die Seelen derer, die um des Zeugnisses Jesu und des Wortes Gottes willen enthauptet wurden, werden lebendig und herrschen mit Christus. Das ist die erste Auferstehung, und selig und heilig ist, wer an ihr Anteil hat: Über solche hat der zweite Tod keine Macht, sondern sie werden Priester Gottes und Christi sein und mit ihm herrschen.

Diese Herrschaft, so verborgen sie war, hat den Ausgang von allem geprägt. Es ist die Herrschaft derer, die die Liturgie der Treue hielten, selbst unter dem Altar-Hohn des Tieres, die sein Zeichen verweigerten, seine gefälschte Anbetung verweigerten - und sich so, still, die ganze Zeit über weigerten, sich irgendwo anders zu beugen als vor dem einen wahren Thron.

Als die festgesetzte Zeit vollendet ist, wird der Verführer noch einmal für eine kleine Weile losgelassen, sammelt die Nationen zum Kampf, umzingelt das Lager der Heiligen und die geliebte Stadt - und Feuer fällt vom Himmel und verzehrt sie. Der Verführer wird in den See aus Feuer und Schwefel geworfen, zu dem Tier und dem falschen Propheten, um Tag und Nacht gequält zu werden, in alle Ewigkeit. Sein langer Krieg gegen die Frau und ihre Nachkommen, gegen jeden Altar und jede Lampe, die zum Zeugnis erhoben wurde, endet genau so, wie er immer enden würde: endgültig hinausgeworfen, genau wie er einst aus dem Himmel hinausgeworfen wurde.

Jetzt kommt die letzte Abrechnung: ein großer weißer Thron, vor dessen Angesicht Erde und Himmel fliehen, und keine Stätte wird für sie gefunden. Die Toten, Große und Kleine, stehen vor diesem Thron, und Bücher werden geöffnet, und ein weiteres Buch dazu, das Buch des Lebens, und die Toten werden gerichtet nach dem, was in den Büchern geschrieben steht, nach ihren Werken. Wer nicht im Buch des Lebens geschrieben gefunden wird, wird in den Feuersee geworfen - der zweite Tod.

Es ist entschieden, ein für alle Mal, wer die Ewigkeit vor diesem Thron verbringt, in Anbetung ohne Ende - und wer sich die ganze Zeit über dagegen entschieden hat.

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Der neue Himmel und die neue Erde (Kapitel 21-22)

Und dann: eine Hochzeit. Eine Stadt kommt aus dem Himmel herab, von Gott her, bereitet wie eine Braut, die sich für ihren Mann geschmückt hat, und eine laute Stimme vom Thron verkündet, worauf die ganze Geschichte gewartet hat: „Siehe, die Wohnung Gottes ist bei den Menschen. Er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und Gott selbst wird mit ihnen sein, ihr Gott. Er wird jede Träne von ihren Augen abwischen, und der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, kein Schmerz wird mehr sein, denn das Frühere ist vergangen."

Die Stadt selbst übersteigt beinahe jede Beschreibung: eine Mauer aus Jaspis, Straßen aus reinem Gold, klar wie Glas, Grundsteine geschmückt mit Edelsteinen jeder Art, zwölf Tore, jedes eine einzige Perle, niemals verschlossen, denn es gibt dort keine Nacht. Kein Tempel steht irgendwo in ihr, denn der Herr, Gott, der Allmächtige, und das Lamm sind ihr Tempel - der letzte Schatten ist endlich der Wirklichkeit gewichen, auf die er immer hinwies, jedes irdische Heiligtum erfüllt und nicht mehr nötig. Weder Sonne noch Mond werden gebraucht, denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie, und ihre Leuchte ist das Lamm - die Leuchter der allerersten Vision, nun eingesammelt in diese eine, unauslöschliche Flamme.

Mitten durch die Straße fließt ein Strom vom Wasser des Lebens, klar wie Kristall, ausgehend vom Thron Gottes und des Lammes, und zu beiden Seiten des Stromes steht der Baum des Lebens, der zwölferlei Früchte trägt, jeden Monat seine Frucht gibt, und seine Blätter dienen zur Heilung der Nationen. Nichts Verfluchtes wird mehr sein, denn der Thron Gottes und des Lammes wird in der Stadt stehen, und seine Knechte werden ihn anbeten. Sie werden sein Angesicht sehen, und sein Name wird auf ihren Stirnen sein. Und es wird keine Nacht mehr geben; sie brauchen kein Licht einer Lampe und kein Licht der Sonne, denn Gott, der Herr, wird ihr Licht sein, und sie werden herrschen in alle Ewigkeit.

Dort ist die ewige Liturgie endlich erfüllt - nicht länger ein Schatten, erahnt durch Weihrauch und Kerzenlicht, sondern der Thronsaal selbst, ganz betreten, für immer: das Sanctus, gesungen nicht von einer Gemeinde, die sich für eine Stunde versammelt, sondern von einer Braut, für immer mit ihrem Bräutigam vereint, ohne jede Distanz, die noch zu überwinden wäre.

Und nun, da du die Geschichte gehört hast - geh und halte das Fest. „Ja, ich komme bald." Amen. Komm, Herr Jesus.

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