Soll ich die Offenbarung wörtlich oder symbolisch verstehen?
Das ist eine der natürlichsten Fragen überhaupt, und ehrliche Leser kommen dabei zu unterschiedlichen Ergebnissen - die einen wollen die Wirklichkeit des Verheißenen schützen, die anderen sind vorsichtig, poetische Bilder nicht zu wörtlich zu nehmen.
Die Offenbarung selbst gibt uns gleich in ihrer ersten Zeile einen Hinweis: Das griechische Wort hinter “kundgetan” (semaino) ist mit dem Wort für “Zeichen” verwandt - dasselbe Verb, das gebraucht wird, wenn Daniel seine symbolischen Visionen gedeutet werden. Johannes scheint uns von vornherein zu sagen, wie das Folgende zu lesen ist: nicht als wörtliche Wochenschau zukünftiger Ereignisse, sondern als ein Buch von Zeichen, die auf wirkliche, geistliche Realitäten verweisen - so wie ein Straßenschild kein Foto deines Ziels ist, dir aber trotzdem etwas Wahres und Wichtiges darüber sagt. Das macht die Verheißungen nicht weniger wirklich und die Warnungen nicht weniger ernst. Es bedeutet nur, dass das Tier, die Zahlen und die Farben der Pferde ihre Bedeutung so tragen, wie Symbole es tun - nicht wie die Aufnahmen einer Überwachungskamera.