Sind Siegel, Posaunen und Schalen dieselben Ereignisse dreimal erzählt, oder drei getrennte Abläufe?
Liest man das Buch in einem Zug, kann es aussehen, als ginge die Welt dreimal getrennt unter - einmal am Ende der Siegel, noch einmal bei den Posaunen, noch einmal bei den Schalen. Da stellt sich zu Recht die Frage, ob die Reihen nacheinander ablaufen (eine nach der anderen) oder parallel verlaufen (dasselbe Terrain, jedes Mal mit größerer Intensität neu durchschritten).
Die Struktur der Offenbarung liefert echte Hinweise auf das Zweite: Jede Reihe läuft auf ein ähnliches, dramatisches Ende zu (kosmische Erschütterung, göttliches Erscheinen), jede ist den Plagen Ägyptens nachgebildet, mit wachsender Härte, und jede scheint dieselbe Kernbotschaft zu steigern - eine Schöpfung, die unter menschlicher Auflehnung seufzt, und eine Welt, der die falschen Sicherheiten ausgehen, hinter denen sie sich verstecken kann -, statt drei zusammenhanglose Katastrophen einzuführen. Viele sorgfältige Leser beschreiben die Gestalt des Buches als Spirale statt als gerade Linie: Es kreist immer wieder über dasselbe Gelände aus verschiedenen Blickwinkeln, und jeder Durchgang zeigt etwas, das der vorherige noch nicht ganz sichtbar gemacht hat - kein strikter Schritt-für-Schritt-Countdown.